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Musik > Kritiken, Meldungen

HR-SYMPHONIEORCHESTER / PAAVO JÄRVI

Ein grandioses Debüt

Noch bevor sich Paavo Järvi heuer bei den Festspielen mit den Beethoven-Symphonien einführt, war er in der Kulturvereinigung zu hören: am Montag (25. 5.) gab er als Chef des hr-Sinfonieorchesters Frankfurt seine Visitenkarte im Großen Festspielhaus ab.

Von Horst Reischenböck

26/05/09 Eine Haydn-Sinfonie mit fünfzig Streichern - ist so etwas nach neuestem Forschungs- und Interpretationsstatus überhaupt (noch) tragbar? Doch. Gerade im Falle des "Pariser" Sechserpacks ist die Besetzung sogar legitimiert, denn diese Werke sind für die dortigen Concerts de la Loge Olympique geschaffen worden. Das Orchester dort war weit üppiger besetzt als jene Klangkörper, die Haydn in Eisenstadt oder auf Eszterhaza zur Verfügung standen. Es spricht auch nichts gegen die große Besetzung, wenn ein Dirigent wie Paavo Järvi, der Leiter das Radio-Sinfonieorchester aus Hessen, akribisch Details auskostet.

Mit rauen Naturhörnern stieg man schwungsvoll ein in den Kopfsatz des C-Dur-Opus Hob. I/82, mit besonderem Akzent auch auf den Pausenzäsuren. Dann wurden geradezu liebevoll die Themenwiederholungen bei gleichbleibender Instrumentierung durch subtil unterschiedliche Mischung in den Klangfarben der Holzbläser ausgeleuchtet. Das Menuett hat Järvi fast in den Stillstand getrieben, um danach umso herzhafter dessen gegen das Metrum gebürstetes Ende auszukosten. Endlich das Finale, ebenso spritzig und animiert: ein rundum begeisternder Einstieg in die Woche, in der sich am Sonntag (31. Mai) der Todestag Haydns zum 200. Mal jährt.

Paavo Järvi ist der ältere Sohn einer durch Neeme Järvi begründeten estnischen Dirigenten-Dynastie. Auf den von ihm geleiteten Zyklus aller Ludwig van Beethoven-Sinfonien mit der Deutschen Kammerphilharmonie bei den kommenden Festspielen darf man sich jedenfalls schon heute freuen.

Paavo Järvi ist auch auf dem Weg, sukzessive alle Bruckner-Sinfonien zu erarbeiten, zusammen mit eben hr-Sinfonieorchesters Frankfurt, das vor über 25 Jahren erstmals hier gastierte. Unter seinem damaligen Chef Eliahu Inbal, mit dem es erstmals alle Erstfassungen einspielte. Unter Järvi liegt die Siebente bereits als Aufnahme vor und für die kommende Saison sind sowohl die "Romantische" wie die Nr. 6 programmiert, zuzüglich auch des E-Dur-Werks des tragisch früh ums Leben gekommenen Bruckner-Schülers Hans Rott.

Im Salzburger Konzert am Montag (25.5.) ging es um die Fünfte in B. Jenes erratische Ausnahmeprodukt, auch innerhalb seines Œuvres, entstanden im Bewusstsein schöpferischer Kraft und persönlichen Könnens, nachdem Bruckner in Wien endlich ein universitärer Lehrstuhl zugebilligt worden war. Järvi gelang auch dabei die gleichsam Quadratur des Kreises, indem er, ohne das übergreifende gedanklich Konzept aus den Augen zu lassen, jedweden Feinheiten Raum zu entsprechender Entfaltung bot. Etwa seitens der perfekt untereinander abgemischten Holzbläser über dem nun logischerweise zahlenmäßig erweiterten sonoren Streicherteppich. Perfekt in sich ausgewogen das Hörnerquartett, sowie daneben platziert das restliche Blech: strahlend über Posaunen und Tuba die leuchtend bekrönende Trompetengruppe.

Ein absoluter Genuss, jedenfalls bis in den grandios Sonatenhauptsatzform mit Doppelfuge kombinierenden Schlusssatz hinein - doch da irritierte ein hochfrequenter Pfeifton von links hinten im Parterre. Ein schlecht eingestelltes Hörgerät wohl.

Für den stürmisch zustimmenden Jubel bedankte man sich mit einer Rarität des bei uns noch nie zu vernehmen gewesenen schwedischen Spätromantikers Karl Wilhelm Stenhammar.

Bild: http://www.paavojarvi.com/

 
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