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KULTURVEREINIGUNG / FESTSPIELHAUS

Ein weiterer Meilenstein

Mozarteum Orchester und Ivor Bolten beeindruckten am Mittwoch (15. 4.) im Großen Festspielhaus mit Bruckners Achter.

Von Horst Reischenböck

16/04/09 Es muss nicht Händel selbst sein, um ihm zu huldigen: Der Ansicht waren wohl Kulturvereinigung, Mozarteum Orchester und Chefdirigent Bolton: Einen Abend nach der 250. Wiederkehr von Händels Todestags gaben sie mit dem Concerto grosso des ensembleeigenen Komponisten Hartmut Schmidt die Probe aufs Exempel und erwiesen dem Meister aus Halle eine muntere Referenz.

Grave gemahnte schon der punktierte Einstieg à la französischer Ouvertüre an das Vorbild, Händels Opus 3. Aleatorische Einsprengsel unterbrachen das folgende rasche Gegenstück, aus dessen Tutti sich ein Streichquartett solistisch schälte. Als Sarabande bezeichnete Variationen fußen auf einem Thema, das seinerseits wie eine Paraphrase der berühmten „La Follia“ anmute. Nach kurzer Fuge wischten im Finale akustische „nasse Fetzen“ humorvoll über die Linien von Oboenpaar plus Fagott: Ihnen vertraute Schmidt die - mit ihrer elftönigen Skala weit in die Zukunft weisende - „Kleine Gigue“ von Mozart an, die ebenfalls von Händel beeinflusst ist.

Die amüsierten Zuhörer ließen sich’s wohl gefallen und geizten nicht mit zustimmendem Beifall für diese eine gute Viertelstunde zum Warmwerden. Ging’s danach doch weiter mit Anton Bruckners Sinfonie Nr. 8 in der Fassung von 1890, einem in der Tat kapitalen „Brocken“ - für Rezipienten und Ausführende. Das Mozarteum Orchester lieferte mit dieser Wiedergabe jedenfalls den bislang gewichtigsten Baustein auf dem Weg zur Gesamteinspielung sämtlicher Orchesterwerke Bruckners in ihrer Letztgestalt.

Dem angelsächsische Raum verdankt diese Symphonie das Beiwort „apokalyptisch“. Schon die ersten chromatisch sich aus der Tiefe windenden c-Moll-Töne wirken wie eine Vision von Qualen, die sich bis zum verdämmernden Ende des Kopfsatzes zur Furcht verdichten. Dazwischen, irisierend flirrend, dann wie flehentliches Bitten, wird auch kaum Hoffnung versprochen. Bis sich einmal doch - wenn auch nur kurz - der Himmel strahlend öffnet. Doch sogleich greift der Reiter gleißender Schrecken Raum, und erst ganz zuletzt, beim letzten Gericht, wird das positive Urteil bekräftigt.

Ivor Bolton disponierte den Riesenbau klug. Entwickelte schon eingangs schlüssig den in die Steigerungswellen ohnedies ökonomisch einkomponierten Wechsel von Gespanntheit und Ruhepolen. Er trieb auch - „bewegt, lebhaft“ – also eine Spur rascher als gewohnt ins Lichtdurchflutete Scherzo. Dadurch wurde der Kontrast zum langsamen Trio mit seinem Harfenglitzer noch evidenter wurde.

Totaler Einsatz aller Beteiligten, sonor und satt von Bässen und Celli aufsteigend bis in höchsten Violinregionen. Die Holzbläser gleichfalls perfekt, vor allem in der Mischung zwischen Oboen und Klarinetten. Entsprechend austariert auch Wagner-Tuben, Posaunen und glanzvoll strahlend die Trompeten.

Heute, Donnerstag, kommt es zur Wiederholung. Ergänzt durch Mozarts C-Dur-Sinfonie KV 200.

 
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